FL Studio

Handout: Stunde 1 – Dein erster French Rap Beat

Thema: Das Cockpit & Der Herzschlag (Drums)

1. Der Kontext: French Rap & Tempo

Bevor wir klicken, müssen wir den Vibe festlegen. Französischer Rap ist vielfältig:

  • Cloud Rap (z.B. PNL): Sphärisch, langsam, verträumt.
  • Afro-Trap (z.B. MHD): Tanzbar, schnell, afrikanische Rhythmen.
  • Drill (z.B. Gazo): Düster, aggressive Snares, rollende Bässe.

Die Rolle des Tempos (BPM – Beats Per Minute):

Das Tempo bestimmt die Energie. Ein langsames Tempo (80–90 BPM) wirkt schwer und chillig. Ein hohes Tempo (140–160 BPM) gibt dem Rapper Raum für schnelle „Doubletime“-Reime.

Einstellung: Klicke oben im Transport-Feld auf die Zahl (Standard ist 130) und ziehe sie mit der Maus auf 140 BPM.


2. Die „Big 5“ – Dein Workflow-Motor

FL Studio ist modular aufgebaut. Jedes Fenster hat eine spezifische Aufgabe:

  1. Der Browser (Alt + F8): Deine Library. Hier liegen alle Sounds (Kicks, Snares, Instrumente).
    • Klick: Links am Rand. Suche den Ordner „Packs“ für Standard-Sounds.
  2. Das Channel Rack (F6): Hier findet das Step-Sequencing statt. Jedes Instrument ist ein Kanal.
  3. Die Piano Roll (F7): Das Gehirn. Hier zeichnest du Melodien und komplexe Rhythmen (für später).
  4. Die Playlist (F5): Das große Ganze. Hier werden die fertigen Bausteine (Patterns) zu einem Song gestapelt.
  5. Der Mixer (F9): Das Tonstudio. Hier stellst du die Lautstärke ein und fügst Effekte (Hall, Echo) hinzu.

3. Das Herzstück: Der Step-Sequenzer

Der Step-Sequenzer im Channel Rack ist das markanteste Merkmal von FL Studio. Er besteht aus Kästchen (Steps). Standardmäßig ergeben 4 Kästchen einen Schlag (Beat), und 16 Kästchen einen Takt.

Bedeutung: Er erlaubt es dir, Rhythmen rein visuell zu bauen, ohne ein Instrument spielen zu können. Ein Klick aktiviert einen Sound, ein Rechtsklick löscht ihn.


4. Praxis-Beispiel: „Paris Night“ (Afro-Trap Vibe)

Wir bauen jetzt einen Grundrhythmus.

Schritt 1: Sounds auswählen

  1. Gehe in den Browser -> Packs -> Drums -> Kits (707).
  2. Suche 707 Kick, 707 Snare und 707 HiHat.
  3. Ziehe diese drei Sounds per Drag-and-Drop direkt in das Channel Rack.

Schritt 2: Den Rhythmus programmieren (Step-Sequenzer)

  • Kick: Klicke das 1. Kästchen und das 9. Kästchen an (starker Grundschlag).
  • Snare: Klicke das 5. Kästchen und das 13. Kästchen an. (Das ist der „Backbeat“).
  • Hi-Hat: Rechtsklick auf den Button „707 HiHat“ im Channel Rack -> Wähle „Fill each 2 steps“.

Schritt 3: Play!

Drücke die Leertaste. Du hörst jetzt einen klassischen, treibenden Rap-Beat.


5. Die wichtigsten Tastenkombinationen (Shortcuts)

AktionTaste
Play / StopLeertaste
Fenster wechselnF5 (Playlist), F6 (Rack), F7 (Piano Roll)
SchnittwerkzeugC (in der Playlist)
RückgängigStrg + Z
Schnelles SpeichernStrg + S (Ganz wichtig!)

Hausaufgabe / Abschluss der Stunde:

Experimentiere mit der Kick-Drum! Füge im Step-Sequenzer zusätzliche Klicks zwischen den bestehenden hinzu, um den Beat „holpriger“ und interessanter zu machen – das nennt man „Syncopation“, typisch für modernen French Rap.

Handout: Stunde 2 – Melodie, Emotion & Die Piano Roll

Thema: Melancholie und Atmosphäre (Der „Cloud Rap“ Vibe)

1. Hintergrundwissen: Warum klingt French Rap so speziell?

Im Vergleich zum oft aggressiven US-Trap ist französischer Rap (vor allem aus Paris und Marseille) sehr melodisch.

  • Die Stimmung: Man nutzt oft Moll-Tonleitern (Minor Scales), um eine sehnsüchtige, ernste oder düstere Stimmung zu erzeugen.
  • Der Sound: Künstler wie PNL oder Damso nutzen viel Hall (Reverb) und Echo (Delay), damit die Melodien „schwimmen“ – das nennt man Atmosphäre.

2. Die Piano Roll: Dein Kompositions-Zentrum

Die Piano Roll (Shortcut: F7) ist das mächtigste Werkzeug in FL Studio. Hier „malst“ du die Musik.

  • Die Tastatur (links): Zeigt dir die Tonhöhen. C5 ist der Standard-Mittelpunkt.
  • Das Gitter (Grid): Hier bestimmst du, wann eine Note spielt und wie lange sie dauert.
  • Magnet-Symbol (Snap to Grid): Oben links in der Piano Roll. Stell es auf „1/2 step“, damit deine Noten sauber auf dem Takt einrasten.

3. Schritt-für-Schritt: Die Melodie erstellen

Schritt A: Das Instrument wählen

  1. Klicke im Channel Rack (F6) unten auf das „+“ Symbol.
  2. Wähle unter „Synth classic“ den „FL Keys“ (das Standard-Klavier).
  3. Rechtsklick auf den Namen „FL Keys“ im Channel Rack -> Wähle „Piano Roll“.

Schritt B: Der „Cheat Code“ für Profi-Akkorde (Stamping)

Man muss kein Klavier spielen können, um French Rap zu produzieren.

  1. Klicke in der Piano Roll oben links auf das kleine Pfeil-Symbol (Voreinstellungen).
  2. Gehe auf „Stamp“.
  3. Wähle unter „Melodic – Chords“ den Punkt „Minor 9th“. (Dieser Akkord klingt sofort nach High-End-Produktion).
  4. Klicke jetzt in das Gitter bei D5. FL Studio setzt dir sofort einen komplexen, traurigen Akkord.

Schritt C: Den Rhythmus der Melodie setzen

  1. Wähle das Pfeil-Werkzeug (S) oben in der Piano Roll.
  2. Markiere den Akkord und ziehe ihn in die Länge, bis er genau 2 Takte füllt.
  3. Halte Shift gedrückt und ziehe den Akkord nach rechts, um ihn zu kopieren. Verschiebe die Kopie leicht nach oben oder unten (z.B. auf A5), um eine Abfolge (Progression) zu erstellen.

4. Der Mixer: Den Sound „Französisch“ machen

Ein nacktes Klavier klingt langweilig. Wir brauchen Effekte.

  1. Drücke F9, um den Mixer zu öffnen.
  2. Klicke im Channel Rack auf den kleinen Balken links neben „FL Keys“ und ziehe ihn mit der Maus hoch auf „1“. (Jetzt wird das Klavier auf Kanal 1 im Mixer geleitet).
  3. Klicke im Mixer auf „Insert 1“. Auf der rechten Seite siehst du 10 Slots.
  4. Klicke auf Slot 1 -> Wähle „Fruity Reverb 2“.
  5. Einstellung: Drehe den Regler „WET“ auf ca. 50%. Das Klavier klingt nun weit entfernt und atmosphärisch.