
Das Tonnetz ist im Grunde eine musikalische Landkarte, die Leonhard Euler im 18. Jahrhundert populär gemacht hat. Während Notenblätter uns zeigen, wie Musik in der Zeit abläuft, zeigt das Tonnetz, wie Harmonien logisch und geometrisch miteinander verwandt sind.
Hier ist die Kurzanleitung, wie du dich darauf bewegst:
1. Die drei Achsen (Die Spielregeln)
Das Tonnetz basiert auf reinen Intervallen. Von jedem Ton aus kannst du in drei Richtungen gehen:
- Horizontal (Rechts/Links): Quinten (z. B. C → G).
- Diagonal (Oben rechts/Unten links): Große Terzen (z. B. C → E).
- Diagonal (Oben links/Unten rechts): Kleine Terzen (z. B. C → Eb).
2. Dreiklänge finden
Das ist der „Zaubertrick“ des Tonnetzes: Harmonie wird zu Geometrie.
- Dur-Dreiklänge bilden immer ein Dreieck, das nach oben zeigt. (C-E-G bilden ein kompaktes Dreieck).
- Moll-Dreiklänge bilden ein Dreieck, das nach unten zeigt. (C-Eb-G).
3. Verwandtschaften erkennen
Je näher zwei Akkorde im Netz beieinander liegen, desto „verwandter“ klingen sie.
- Wenn zwei Dreiecke eine Seite teilen, haben sie zwei gemeinsame Töne (sehr enge Verwandtschaft, z. B. C-Dur und E-Moll).
- Wenn sie sich nur an einer Ecke berühren, haben sie nur einen Ton gemeinsam.
Wozu benutzt man das heute?
In der modernen Musiktheorie (besonders der Neo-Riemannian Theory) nutzt man das Tonnetz, um komplexe Akkordfolgen zu analysieren, die nicht in das klassische Schema von „Tonika-Dominante“ passen.
Es hilft Komponisten (vor allem in der Filmmusik), glatte Übergänge zwischen weit entfernten Tonarten zu finden, indem man einfach den „kürzesten Weg“ auf dem Gitter sucht.
Ein Merksatz: Das Tonnetz ist wie ein Navigationssystem für die Harmonielehre. Es zeigt dir nicht, wo du hingehen musst, sondern wie nah die Ziele beieinander liegen.
