Der Quintenzirkel

Die Entstehungsgeschichte: Vom Chaos zur Ordnung

Der Quintenzirkel ist nicht einfach „vom Himmel gefallen“, sondern das Ergebnis einer Suche nach der perfekten Stimmung.

1. Die mathematische Wurzel (Pythagoras)

Alles begann schon in der Antike. Pythagoras (ja, der mit den Dreiecken) entdeckte, dass Töne in festen mathematischen Verhältnissen zueinander stehen. Die Quinte hat das einfachste Verhältnis nach der Oktave ($3:2$).

  • Das Problem: Wenn man 12 reine Quinten übereinanderstapelt, landet man fast, aber nicht exakt wieder beim Ausgangston. Es bleibt ein kleiner, schiefer Rest übrig – das sogenannte „Pythagoreische Komma“.

2. Die Geburtsstunde (17. Jahrhundert)

Der Quintenzirkel, wie wir ihn heute kennen, tauchte erstmals in der Barockzeit auf.

  • Der ukrainische Komponist und Theoretiker Nikolai Dilezki zeichnete 1679 in seinem Werk „Grammatika“ die erste Version auf. Er wollte Sängern und Komponisten helfen, die Verwandtschaft der Tonarten visuell zu verstehen.
  • Später, um 1711, verfeinerte Johann David Heinichen das Modell zu dem Kreis, den wir heute nutzen.

3. Die Lösung am Klavier (Das Wohltemperierte Klavier)

Früher klangen Instrumente schrecklich schief, wenn man in weit entfernten Tonarten (z. B. Fis-Dur) spielte, weil sie auf eine bestimmte Tonart optimiert waren.

  • Johann Sebastian Bach war der große Pionier, der das änderte. Mit seinem berühmten Werk „Das Wohltemperierte Klavier“ bewies er, dass man durch eine minimale „Verstimmung“ der Töne (die wohltemperierte Stimmung) durch alle 24 Tonarten des Quintenzirkels spielen kann, ohne dass die Ohren wehtun.

Warum das heute wichtig ist: Wenn du heute auf einem modernen Klavier spielt, nutzt du die gleichschwebende Stimmung. Dabei wurde das „pythagoreische Problem“ gelöst, indem man das winzige mathematische Fehlerchen gleichmäßig auf alle 12 Töne verteilt hat. Der Quintenzirkel ist also das Symbol für diesen Sieg der Logik über die akustische Physik.

Hallo! Das ist ein super Alter, um die Theorie hinter der Musik richtig zu durchdringen. Wenn man erst einmal versteht, dass Musik kein Chaos, sondern pure Logik (fast wie Mathe, nur schöner) ist, spielt es sich viel leichter.

Hier ist der Quintenzirkel, direkt erklärt für jemanden, der die Tasten vor sich hat.


Was ist der Quintenzirkel überhaupt?

Stell dir den Quintenzirkel wie eine Landkarte der Tonarten vor. Er zeigt dir, wie viele Kreuze ($\sharp$) oder Be-Vorzeichen ($\flat$) eine Tonart hat und wie diese zusammenhängen.

Warum „Quinte“?

Der Name ist Programm: Wenn du auf dem Klavier von einer Tonart zur nächsten gehst, springst du immer fünf Tasten (eine reine Quinte) weiter.


1. Die rechte Seite: Die Kreuz-Tonarten (#)

Wir starten ganz oben bei C-Dur. C-Dur ist der „Nullpunkt“ – keine Vorzeichen, nur weiße Tasten.

  • Der Sprung: Gehe von C aus 5 Tasten nach rechts (C-D-E-F-G). Du landest bei G.
  • Die Regel: Mit jedem Schritt nach rechts kommt ein Kreuz dazu.
  • G-Dur hat also 1 Kreuz (F#).
  • Gehst du von G wieder 5 Tasten weiter, landest du bei D. D-Dur hat 2 Kreuze (F# und C#).

Merksatz für die Reihenfolge:

Geh Du Alter Esel Hole Fisch (G, D, A, E, H, Fis)


2. Die linke Seite: Die Be-Tonarten (b)

Jetzt gehen wir vom C aus nach links (oder man zählt eine Quarte aufwärts, was aufs Gleiche rauskommt).

  • Der Sprung: Gehe von C aus 5 Tasten nach unten (oder 4 nach oben). Du landest bei F.
  • Die Regel: Mit jedem Schritt nach links kommt ein b dazu.
  • F-Dur hat 1 Be (B bzw. Bb).
  • Gehst du von F wieder weiter, landest du bei B-Dur (2 Be-Vorzeichen).

Merksatz für die Reihenfolge:

Frische Brut Essen Asse Des Gesamten (F, B, Es, As, Des, Ges)


Der Bezug zum Piano: Warum hilft das?

  • Skalen finden: Er muss nicht mehr auswendig lernen, welche Töne in E-Dur vorkommen. Er weiß durch den Zirkel: „E-Dur ist vier Schritte rechts von C, also hat es 4 Kreuze.“
  • Akkorde verstehen: Die Nachbarn im Quintenzirkel sind die Akkorde, die in einem Lied am besten zusammenklingen (Subdominante und Dominante).
  • Transponieren: Will er ein Lied tiefer spielen, verschiebt er einfach alles um die gleiche Anzahl an Schritten im Zirkel.

Kurzübersicht (Die „Uhr“)

PositionTonartVorzeichenTasten am Klavier
12 UhrC-Dur0Nur weiß
1 UhrG-Dur1 #Fis statt F
2 UhrD-Dur2 #Fis & Cis
11 UhrF-Dur1 bB statt H
10 UhrB-Dur2 bB & Es