Die Pentatonik

Die Pentatonik ist das „Geheimrezept“ vieler Pianisten. Das Wort kommt vom griechischen penta (fünf). Es handelt sich also um eine Tonleiter mit nur fünf Tönen.

Der große Vorteil am Klavier: In der Pentatonik gibt es keine „falschen“ Töne. Es fehlen die Reibungspunkte (Halbtonschritte), weshalb alles, was man spielt, sofort harmonisch und flüssig klingt.


1. Die Struktur: Wie wird sie gebildet?

Um aus einer normalen Dur-Tonleiter (7 Töne) eine Pentatonik zu machen, wirft man die „komplizierten“ Töne raus. Man entfernt den 4. und den 7. Ton.

Beispiel G-Dur Pentatonik:

  • Normale G-Dur Skala: G – A – H – C – D – E – Fis
  • Pentatonik: G – A – H – D – E (Das C und das Fis fliegen raus).

Warum genau diese Töne?

Durch das Weglassen von C und Fis verschwinden die Halbtonschritte. Übrig bleiben nur Ganztonschritte und kleine Terzen. Das Ergebnis ist ein offener, schwebender Klang, der perfekt für Rock, Pop, Blues und sogar asiatisch angehauchte Musik funktioniert.


2. Der visuelle Trick am Piano: Die schwarzen Tasten

Der einfachste Weg, Pentatonik sofort zu verstehen, ist der Blick auf die schwarzen Tasten:

  • Die fünf schwarzen Tasten (Fis, Gis, Ais, Cis, Dis) bilden zusammen die Ges-Dur Pentatonik (oder Es-Moll Pentatonik).

Übung für dich: Improvisier mal mit der rechten Hand wild auf den schwarzen Tasten, während du links ein tiefes Ges oder Es hälst. Du wirst merken: Es klingt immer gut, egal in welcher Reihenfolge du die Tasten drückst.


3. Dur vs. Moll Pentatonik

Obwohl es dieselben Töne sind, entscheidet der Grundton über die Stimmung:

  • G-Dur Pentatonik (G, A, H, D, E): Klingt fröhlich, offen, nach Country oder hellem Pop.
  • E-Moll Pentatonik (E, G, A, H, D): Klingt bluesig, rockig, melancholisch.

Am Klavier: Du nutzt die gleichen Tasten, legst aber den Fokus (und den Basston der linken Hand) entweder auf das G oder auf das E.


4. Pentatonik-Übung für die Finger

Um Geschwindigkeit und Sicherheit aufzubauen, solltest du dieses Muster über zwei Oktaven spielen:

Die „G-Dur-Leiter“

  • Rechte Hand: Daumen auf G, Zeigefinger auf A, Mittelfinger auf H – dann den Daumen untersetzen auf D, Zeigefinger auf E, Mittelfinger wieder auf G.
  • Das Muster: 1 – 2 – 3 – (untersetzen) 1 – 2 – (darüber setzen) 1.

5. Anwendung: Das „No-Fail“ Solo

Wenn du die Pop-Akkorde aus aus G-Dur(G – D – Em – C), kannst du mit der rechten Hand die G-Dur Pentatonik nutzen, um ein Solo zu spielen.

Zwei Profi-Kniffe für dich:

  1. Slides (Schleifer): Du kannst von einer schwarzen Taste kurz auf eine weiße Nachbartaste „rutschen“ (z.B. von B/Ais auf H). Das gibt diesen typischen Piano-Blues-Sound.
  2. Rhythmische Cluster: Du kannst zwei Töne der Pentatonik gleichzeitig anschlagen (z.B. G und A gleichzeitig). Da es keine harten Dissonanzen gibt, klingt das extrem fett und modern.